Historie

Das PSG-Biergericht – gestern
Ungebührliches Benehmen, unvorschriftsmäßiger Anzug – das waren um die Wende zum 20. Jahrhundert Vergehen, für die Schützen der Plettenberger Schützengesellschaft vom Ehrengericht, dem Vorläufer des Biergerichts, zur Zahlung von Biermarken verurteilt wurden. Aus diesen juristisch geprägten Anfängen entwickelte sich eine Tradition im Plettenberger Schützenwesen, die bis heute einmalig und nicht weg zu denkender Bestandteil aller Schützenfeste in Plettenberg ist.

Die Geschichte des PSG-Biergerichts hat Dr. Peter Wilhelm Baetzel in der Festschrift zum 150. Jubiläum der Schützengesellschaft im Jahre 1986 erzählt. Pew, wie er von allen Schützen genannt wird, war von 1976 bis 1990 Biergerichtspräsident und revolutionierte die PSG-Institution. Unter seiner Ägide wurden von den Schöffen einstudierte Showelemente zu viel umjubelten Höhepunkten der Biergerichtsfrühschoppen am Schützenfestmontag.

Mit dem Königsschuss im Jahr 1990 beendete Pew seine Präsidentenzeit. Sein Nachfolger wurde Bernhard Schlütter.

„Ich habe meine Aufgabe bald darin gefunden, die Showelemente, die Pew so perfekt eingeführt hatte, wieder mit einigen traditionellen Biergerichtselementen zusammenzuführen“, sagt Bernhard Schlütter rückblickend. „Dank der Mitwirkung der gesamten Biergerichtskommission wurde eine Arbeitsteilung entwickelt, die einen nahezu professionell zu nennenden Ablauf des Programms beim Biergericht ermöglicht. Kreative Köpfe und hervorragende Handwerker ergänzen sich in der Biergerichtskommission sehr gut. Das Programm der Biergerichtsfrühschoppen wurde zu einer guten Mischung aus musikalischen Vorträgen mit selbst gedichteten Texten, Shownummern und Verurteilungen entwickelt.“

2006 war es wieder mal Zeit für einen Wechsel. Sebastian Kintner wurde von der Biergerichtskommission zum neuen Präsidenten gewählt.

Das PSG-Biergericht – heute und morgen

von Sebastian Kintner (Biergerichtspräsident seit 2006)

Als ich 2006 das Amt des Biergerichtspräsidenten übernahm, da war mir eins klar. Alles soll, nein alles muss so bleiben wie es ist!

Das Biergericht ist eine homogene Truppe aus unterschiedlichsten Charakteren. Hier fragt keiner was jemand ist, oder wie alt jemand ist. Der jüngste Schöffe ist 23 und der älteste geht auf die 70 zu. Aber ein Altersunterschied fällt hier nicht auf. Alle verstehen sich untereinander so gut, dass man sich hier aus Jux ständig untereinander beleidigt, teils sehr herb, was für Außenstehende sehr befremdend wirken muss. Auch bei unterschiedlichen Meinungen auf den Sitzungen geht es hoch her, doch muss hier keiner Angst haben, zu seiner Meinung zustehen, nur muss man ein dickes Fell haben wenn es um blöde Sprüche geht. Aber wie sehr die Truppe zusammenhält, das sieht man, wenn hier mal ein Schöffe ein privates Problem hat. Da ist die eingeschworene Gemeinschaft des Biergerichtes sofort mit Rat und Tat da. Und dies wird auch angenommen.

So rede ich nicht von Schöffen, Bekannten oder Freunden, wenn ich über das Biergericht rede, sondern eher von einer Familie. Und diese Familie bekam nun im Jahr 2006 mit mir ein junges und neues Oberhaupt. Zum Glück hatte sich Jörg Wilmink, der unter Bernhard Vize war, bereit erklärt, für mich noch ein Jahr länger den Vize zu machen, damit ich einen leichteren Einstieg hatte. Auf Jörg Wilmink folgt im Jahr 2007 Jens Stederoth als Vize.

Aber so schwer war es dann gar nicht, Präsident des Biergerichts zu sein, weil jeder Schöffe voll für das Ziel Biergericht mitarbeitet und alles so weiter lief, wie in den 16 Jahren zuvor. Die Last liegt nicht auf den Schultern des Präsidenten, sondern verteilt sich auf alle Schöffen.

Zum Beispiel auf den Schultern des Requisitenmeisters Christian Teichert, der dafür sorgte, dass die Requisiten und Delinquenten auf Stichwort auf die Bühne kamen. Dieser gab sein Amt berufsbedingt 2010 auf und wird nun durch Dietmar Schauerte ersetzt.

Oder auf den Schultern der Schöffen, die Requisiten bauen, den neuen Bühnenhintergrund entworfen und gemalt haben, neue Technik wie einen Beamer im Bühnenbild integrierten, Computerprogramme für Verurteilungen schrieben, bei der Musikkapelle sitzen und dafür sorgen, dass sie dann spielt, wenn es sein muss. Die Schöffen, die Lieder dichten, Verurteilungen schreiben oder moderieren.

Das macht unser Biergericht aus, wir entwickeln uns zwar weiter, bleiben aber wir. Kein einzelner steht im Vordergrund, sondern das Biergericht. Und so soll es auch die nächsten Jahre bleiben!

von Bernhard Schütter (Biergerichtspräsident von 1990 bis 2006)