Historische Presseberichte

1906 – Biergericht 1907

Die Leitung des Biergerichtes wechselte in den ersten Jahren zwischen Stadtsekretär Hermens und Gerichtssekretär Niest. Dem SÜDERLÄNDER WOCHENBLATT vom 21. Juni 1906 ist dem Bericht zur Feier des 70-jährigen Bestehens der Schützengesellschaft zu entnehmen: „. . . Daran schloß sich der Frühschoppen mit dem von Herrn Gerichtssekretär Niest sehr nett geleiteten Biergericht, das mit seinen famosen Einzelheiten allen Teilnehmern unendliches Vergnügen bereitete. Auf dasselbe näher einzugehen verbietet sich im Rahmen dieses Berichtes – man könnte darüber allein ein ganzes humoristisches Feuilleton verfassen.“

Quelle: Zeitungsausschnitt des Süderländer Wochenblatt vom 21. Juni 1906 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1907 – Biergericht 1907

Zum Vorsitzenden des Biergerichts beim Schützenfest 1907 wurde Albert Hermens gewählt, dem es überlassen blieb, die Beisitzer zu bestimmen. Viele Jahre lang hat Albert Hermens als Vorsitzender des Biergerichts die viel belachten weisen Urteile mit dem nötigen Humor gewürzt.

Quelle: S. 14 der Festschrift zur 100jähr. Jubelfeier der Plettenberger Schützengesellschaft (erschienen 1936, Verfasser Rektor i. R. Ernst Weimann) (www.plbg.de)

1938 – Biergericht 1938

1938 fand das Schützenfest am 19. und 20. Juni statt. Bei diesem Fest trat insbesondere das Biergericht unter seinem bewährten Präsidenten A. M. Paul Thomée hervor. Seine Schöffen waren damals: Walther Winkemann, Heinrich Niggetiet, Otto Stute, Willi Gutschank, Wilhelm Rottmann, Paul Vogt, Heinrich Ohle und Heinrich Lohmann.

Quelle: S. 39 der Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Plettenberger Schützengesellschaft (erschienen 1961, Verfasser: Stadtarchivar Albrecht von Schwartzen) im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1950 – „Im Namen des Königs“

Die Biergerichtskommission der Plettenberger Schützengesellschaft hat ihre Tätigkeit aufgenommen Plettenberg. Sr. Majestät Pressedienst gibt bekannt: Die Kommission der Vertreter des Kronanwalts (Sr. Majesttät Biergerichtskommission) tagt seit Wochen in regelmäßigen Abständen, um die in den letzten 10 Jahren begangenen Straftaten aufzuklären. Da die Kurve der schweren Delikte erschreckend angestiegen ist, hat sich Se. Majestät der alte König gezwungen gesehen, den Vorsitz über das Tribunal selbst zu führen und junge geschulte Kräfte in die Kommission zu berufen. Es sind in den vergangenen Jahren in Plettenberg Dinge geschehen, die selbst die legendären Gestalten unserer Stadt, man denke an den bekannten Polizeidiener Pohle, in den Schatten stellen. Das Hohe Biergericht wird sich daher gezwungen sehen, drastische Strafen zu verhängen, um diesen Auswürfen erfolgreich entgegenzutreten. Die Kommission erwägt, Sr. Majestät evtl. eine entsprechende Notverordnung zur Genehmigung vorzulegen. Die Verteidigung wird angesichts dieser Tatsachen einen schweren Stand haben. Man vermutet, daß sie in den meisten Fällen lediglich auf mildernde Umstände wegen vorübergehend beschränkter Zurechnungsfähigkeit plädieren wird. Da Se. Majestät der alte König persönlich den Vorsitz über das Hohe Biergericht führen wird, werden evtl. Gnadengesuche an Se. Majestät den Neuen König zu richten sein. Die Kommission sieht sich ebenso wie der Vertreter des Kronanwalts jedoch genötigt, darauf hinzuweisen, daß derartige Appelle wegen der Schwere der Delikte nur in seltenen Fällen erfolgreich sein werden. Der Vorschlag einer Amnestie für kleinere Vergehen ist von Sr. Majestät verworfen worden. Die Hohe Biergerichtskommission bittet alle Bürger, sie in ihrer schweren Tätigkeit zu unterstützen. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt der Vizepräsident des Hohen Gerichtshofs, Alte Majestät Paul Thomee, entgegen.

Quelle: Zeitungsausschnitt des Süderländer Tageblatt vom 20.07.1950 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1951 – Lachsalven in der Schützenhalle

Das Hohe Biergericht tagte – Viele originelle Urteile Plettenberg. Aus dem Rahmen unseres Plettenberger Schützenfestes ist das traditionelle Biergericht am Montagmorgen nicht mehr wegzudenken. Es ist seit je gekennzeichnet durch originellen Witz, sprühenden Humor und Hochstimmung. Das Hohe Gericht unter dem Vorsitz des Biergerichtspräsidenten Paul Thomee hatte alle Verbrechen und Vergehen der Schützenmitglieder im verflossenen Jahr genauestens erfaßt und verhängte Strafen verschiedener Höhe, die aber nach Berücksichtigung der mildernden Umstände widerspruchslos hingenommen wurden. Ein Glück dabei ist, daß die Sitzung unter Ausschluß der Öffentlichkeit, das heißt, unter Ausschluß der Damen stattfindet, da sonst die Befürchtung naheliegen könnte, daß die von dem Ehegesponst verhängte Strafe mitunter strenger ausfallen würde. Die Verlesung der Sündenregister mit Urteilsverkündung nahm einige Stunden in Anspruch und brachte manchen in Verwunderung, wie und woher die Schandtaten aufgedeckt wurden. Selbst ein kurioser Druckfehler auf der Speisekarte des Wirtschaftsküchenbetriebes in der Schützenhalle war der Aufmerksamkeit des Biergerichts nicht entgangen und fand seine Sühne. Auch die Geschichte von der verschwundenen Schützenfahne, die als amerikanische Sturmfahne am 38. Breitengrad wieder auftauchte und am 1. April – beinahe – vom S.T. von Korea nach Plettenberg zurückbeordert werden konnte, hatte noch ein lustiges Nachspiel. So wären noch manche „Untaten“ zu erwähnen, die wir lieber mit dem Mantel schützenbrüderlicher Liebe verhüllen wollen. Zum Beginn der Biergerichtssitzung hieß Oberst Winkemann namens des Königspaares und des Hofstaates die in großer Zahl erschienenen Schützen willkommen und machte bekannt, daß S. M. Willi (Cordes) als „Gnadenerlaß“ für die Angeklagten eine Spende von 3.000 Biermarken gemacht habe, was natürlich mit starkem Beifall aufgenommen wurde. Hauptmann Thomee verlas sodann ein Schreiben des auswärts weilenden Stadtdirektors, der für seine „Flucht“ um mildernde Umstände bat und dem Fest einen guten Verlauf wünschte. Weitere Willkommensgrüße galten den Gästen des Oberst aus Paris, wie auch dem Oberst Bergmann vom benachbarten Grüner Schützenverein. Wie immer, nahm auch die diesjährige Biergerichtssitzung einen interessanten und lustigen Verlauf und der verdiente Beifall nach den wochenlangen Vorarbeiten der Gerichtskommission blieb nicht aus.

Quelle: Zeitungsausschnitt des Süderländer Tageblatt vom 19.06.1951 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1952 – Ausklang des Schützenfestes

Schöne und erlebnisreiche Stunden auch am dritten Schützenfesttag Plettenberg. Nun liegt mit dem gestrigen Montag auch das diesjährige Schützenfest hinter uns. Es reiht sich den Vorgängern würdig an und hat die Geschichte unserer ehrwürdigen Plettenberger Schützengesellschaft um ein weiteres Blatt bereichert. Das Biergericht brachte wieder eine große Zahl origineller Urteile und humorvoller Begründungen. Auch bei dieser Veranstaltung fehlte nicht Ernst Eckes, der „Spätheimkehrer“ aus den USA und zugleich das „jüngste“ Ehrenmitglied der Plettenberger Schützengesellschaft. In einem ihm zu Ehren vorgetragenen „plattdeutschen“ Begrüßungsgedicht hieß es: „Aein oller Plett’mescher Junge kam uewer’t Water ut U.S.A – In Plettmet siät me: „Hei es do, dei Aeikes ut Amerika. Dei Truman selwer konn den Käl in sine nige Welt nit hollen. No Plettmet trock iät iän retur in de Häime, no de gurren Ollen. Tau richt’gen Tied, taum Schützenfeste kam hei no uns, dat fröggere uns sär, man süht, dei Schützen-Traditioun gäit wit, wall üewer „Land und Meer“. Drümme, Schützenbroiers, brenget iämme äin „Horrido“ jetzt taum Willkuommen, iämme, dei tau unserm Schützenfeste es üewern grouten Dik ekuommen. Bald gingen in der Halle die Wogen hoch und auch ein hübsches Gedicht des zum Schützenfest wieder in die Heimatstadt zurückgekehrten ehemaligen Schützenkönigs Emil Rückersberg trug zur Hebung der Stimmung bei. In diesem netten 18-strophigen Poem ward auch das Biergericht nicht vergessen: „Des Montags tagt das Biergericht, die Feuchtigkeit steigt hoch, denn jeden Schützenbösewicht erreicht sein Urteil doch!… Daß sich ein „Schützenfestneuling“ ein wenig vergaloppierte und glaubte, persönliche Aergernisse von der Bühne aus abreagieren zu können, wurde zwar mit einigem Erstaunen vermerkt, konnte jedoch der harmonischen Stimmung keinen Abbruch tun, zumal man hier wohl den Alkohol als mildernden Umstand gelten ließ. (Vielleicht könnte im Interesse eines reibungslosen Ablaufs das Biergericht künftig solche „Büttenredner aus eigener Vollmacht“ vorher etwas mehr unter die Lupe nehmen).

Quelle: Zeitungsausschnitt des Süderländer Tageblatt vom 24.06.1952 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1953 – Jeder hatte seinen Spass als der Präsident auf dem Ochsen ritt!

Biergericht – launig und humorvoll / Höhepunkt des Schützenfestes Auf breitem Ochsenrücken – Biergerichtspräsident Paul „Piepken“ Thomee erträgt sein Los mit Würde.

Plettenberg. Das Schützenfest erreichte gestern an seinem letzten Tage den Höhepunkt, von früh morgens bis spät in die Nacht hielt ein vielfältiges Programm die Schützen und große Teile der Bevölkerung auf den Beinen. Böllerschüsse weckten morgens die Schützenbrüder und ermahnten sie an ihre Pflicht, den König zum Frühkonzert und Biergericht in die Schützenhalle zu holen. Natürlich war man auf den alten Brauch des Biergerichts besonders neugierig, bietet er doch jedesmal eine Quelle köstlicher Heiterkeit. Präsident Paul Thomee eröffnete die Gerichtssitzung. Unterdessen wurde vom Landwirt Schulte im Soen unter Musikbegleitung ein „kapitaler Ochse“ von sage und schreibe 16 Zentner Lebendgewicht abgeholt und in die Schützenhalle geführt. Dort hatte dann der Biergerichtspräsident unter den ermunternden Zurufen der Anwesenden seine Reitkunst auf dem Rücken des Tieres zu zeigen. Mehrere Runden mußte er in der Halle zurücklegen, gefolgt von einem mit einer Schaufel bewaffneten, weißbekittelten Schützenbruder, dem die Reinigung oblag. – Er soll sogar Arbeit bekommen haben. Die eigentliche Gerichtssitzung zog sich über längere Zeit hin, denn der Sünder waren viele. Der Prozeß verlief recht launig, dagegen waren die Strafen schon ernsthafter und mancher Delinquent mußte wohl oder übel in den Geldbeutel greifen und seine Buße in barer Münze ablegen. Am Nachmittag versammelten sich die Schützenkompanien zum letzten großen Schützenzug. Der Abend gehörte schließlich dem Konzert und dem Abschlußball, der die Welle der Freude in der Schützenhalle bei den Klängen der Kapelle des Ohler Eisenwerkes und des Tambourkorps der Schützengesellschaft nochmals hoch schlagen ließen.

Quelle: WR Plettenberg vom 23.06.1953 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1960 – Grußwort des Biergerichtspräsidenten Erich Gembruch beim Schützenfest 1960 in Landemert

Ernst Eckes und Erich Gembruch zu Gast auf der Bühne des Landemerter Biergerichtes. In der Mitte der Landemerter Biergerichtspräsident Erwin Dunker.

Quelle: im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1961 – Die Biergerichtskommission 1961

Mitglied der Biergerichtskommission waren im Jubiläumsjahr 1961: Erich Gembruch (Präsident); als Bierschöffen: Wilfried Figge, Jochen Lohmann, Otto Menschel, Rolf Witte, Fritz Hammer, Heinz Glaeser, Karl-Heinz Niggetiet, Helmut Kurth, Erich Frank, Willi Steinkamp, K. H. Winkemann und Alfred Thomée.

Quelle: S. 53 der Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Plettenberger Schützengesellschaft (erschienen 1961, Verfasser: Stadtarchivar Albrecht von Schwartzen) im Archiv HH

1980 – Die Geburtsstunde des Biergerichts der Plettenberger Schützengesellschaft – Stadtsekretär Hermens war 1897 erster Biergerichtspräsident

Humorvolle Verurteilung der Schützen hat bei der Plettenberger Schützengesellschaft eine lange Tradition – Idee machte Schule Plettenberg.

(HH) Wenn am Schützenfestmontag wieder Hunderte von Schützen in die Halle auf dem Wieden zum Biergericht ziehen, so vermutet kaum jemand, daß dieses Vergnügen in seinem Ursprung übrigens die alleinige „Erfindung der Schützengesellschaft“, eine lange Tradition hat. Wann zum ersten Mal ein Biergericht zusammentrat, läßt sich aus den Chroniken der Schützengesellschaft von 1836 nicht genau herauslesen. Der Chronist fand dann in Plettenbergs bester Geschichtsquelle der vergangenen 100 Jahre, dem SÜDERLÄNDER TAGEBLATT, eine Menge Hinweise auf den Ursprung des Biergerichts.

Als sogenannten „Ehrengericht“ zunächst zur Hebung der Disziplin unter den Schützen abgehalten, machte nachlassendes Interesse am Schützenwesen eine Belebung der Festfolge notwendig. So wurde aus dem nicht wirklich ernsthaften „Ehrengericht“ ein humorvolles Biergericht, dessen erster Präsident der Stadtsekretär Hermens im Jahre 1897 war.

Gemessen an unserem heutigen Verständnis für Freizeit, Urlaub und Arbeitszeit erscheint es schon außergewöhnlich, daß die Schützengesellschaft ihre Feste um die Jahrhundertwende jeweils am Montag und Dienstag feierte. Nach dem Antreten der Schützen am Montag morgen ging es zum Beispiel im Jahre 1897 per Schützenzug durch die Stadt. Anschließend startete in der Schützenhalle auf dem Wieden ein Morgenkonzert. Parallel dazu wurde ab 8 Uhr morgens auf den Königsvogel geschossen.

Als „Geburtsstunde“ des Biergerichts ist zweifellos jenes Ereignis zu werten, über das im SÜDERLÄNDER WOCHENBLATT am 24. Juni 1897 berichtet wurde. „Einige der Herren Schützen hatten ihr Können beim Morgenkonzert am Montag ein wenig überschätzt und wurden, als sie nachmittags infolge der überstandenen Strapazen zu spät zum Antreten erschienen, dem Ehrengerichte gemeldet. – Dienstag morgen: Während des Morgenkonzerts trat das Ehrengericht zusammen und verdonnerte der „Oberstaatsanwalt“, Stadtsekretär Hermens, verschiedene der Schützen wegen unvorschriftsmäßigem Anzug, ungebührlichem Benehmen während der Züge zur Zahlung von 10, 20, 30 oder 50 Biermarken, mit welchen Urteilen sich die Schützen auch mit einer einzigen Ausnahme zufrieden erklärten.

Albert Hermens, erster Biergerichtspräsident der Schützengesellschaft. Im Süderländer Wochenblatt vom 14. Juni 1900 wird deutlich, daß das Biergericht schon zu einer festen Einrichtung geworden ist: „Zunächst möchten wir noch des amüsanten Biergerichts während des Frühschoppens am Montag in der Schützenhalle Erwähnung thun, wobei sich jeder köstlich amüsierte. Unter anderem wurde ein Schützen wegen ‚Antretens mit einem langen und einem kurzen Hosenbein‘ zu einer Anzahl Biermarken verdonnert. Ein anderer mußte sich seine Verurtheilung gefallen lassen, weil – eben nichts an ihm auszusetzen war.“ und ein Jahr später (1901) heißt es: „Um zehn Uhr nahm der heutige Frühschoppen seinen Anfang, mit dem das übliche Biergericht verknüpft war.“

In den Jahren um die Jahrhundertwende versuchte die Schützengesellschaft das lahmende Interesse an den Festen durch Neuerungen im Festablauf zu beleben. Neben der Einführung des Biergerichtes wurde im Jahre 1905 erstmals „der Adler auch im Festzug mitgeführt“. Der „Adler“ war natürlich der Königsvogel, auf den man z. B. 1895 mehr als sechs Stunden schoß. Glücklicher Sieger dieses von 8 Uhr morgens bis 14.15 Uhr mittags dauernden Kampfes war Gärtnermeister Fritz Tiemann, der im Jahre 1902 dann noch einmal Schützenkönig wurde. Die Leitung des Biergerichtes wechselte in den ersten Jahren zwischen Stadtsekretär Hermens und Gerichtssekretär Niest. Dem SÜDERLÄNDER WOCHENBLATT vom 21. Juni 1906 ist dem Bericht zur Feier des 70-jährigen Bestehens der Schützengesellschaft zu entnehmen: „. . . Daran schloß sich der Frühschoppen mit dem von Herrn Gerichtssekretär Niest sehr nett geleiteten Biergericht, das mit seinen famosen Einzelheiten allen Teilnehmern unendliches Vergnügen bereitete. Auf dasselbe näher einzugehen verbietet sich im Rahmen dieses Berichtes – man könnte darüber allein ein ganzes humoristisches Feuilleton verfassen.“

Quelle: ST-Jubiläumsausgabe „100 Jahre Süderländer Tageblatt“ vom 12.06.1980 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

1980 – Biergericht der Plettenberger Schützengesellschaft – K. J. Schmidt weichgekocht

Etliche kleine Negerlein und viele wilde Tiere Plettenberg. Tief in den afrikanischen Dschungel versetzt fühlten sich die Besucher des Biergerichtes der Plettenberger Schützengesellschaft. Riesige Palmen verbreiteten auf der Bühne eine Regenwaldatmosphäre. Der Gerstensaft, der nicht nur auf der Bühne in Strömen floss, passte sich der enormen Luftfeuchtigkeit der dargestellten tropischen Gefilde an. Karl-Josef Schmidt, der „große Vorsitzende“, begrüßte die Ehrengäste aus einem überdimensionalen „Suppentopf“ heraus, in den ihn die Kollegen vom Stamme der Zulukaffern, allen voran Biergerichtspräsident und Kralvorsitzender „Pew“ Baetzel weichkochen wollte. Mit einer Bananenstaffel begann das wilde Leben in der tropischen Einöde. Der Schützennachwuchs durfte mit „Phallobst“ (längliche tropische Frucht) im Mund eine Runde auf allen Vieren drehen und dabei die Südfrucht genüßlich verzehren. Neben dem im Tierfell gewandeten Biergerichtspräsidenten (King Louis) und Vize Heinz-Jürgen Rittinghaus (Bär Baloo) trat anschließend ein weiterer merkwürdig bis angsteinjagend gekleideter Mensch die Bühne. Medizinmann Lothar Lüsebrink, eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Bettvorleger aus Leopardenhaut war rein zufällig, hypnotisierte ein Huhn dergestalt, daß das Federvieh eine halbe Minute ruhig auf der Bühne lag. Danach wachte die malträtierte Kreatur auf, erledigte flugs seine Notdurft und verschwand im Hallenrund. Nach einer wilden Jagd, hier tat sich Alfred Thomée mit einem Käscher bewaffnet besonders hervor, wurde das lebhaft gackernde Tier eingefangen. Fats Domino und Ray Charles waren angekündigt. P. Baetzel und Jürgen Knips traten als Gesangsduo auf, das sich nach kurzer Zeit mit Gerd Schöne zum Trio mauserte. Kritische Texte mit beißender Ironie wetterten gegen den Neubau der Schützenhalle, den Eiringhauser Großraumflughafen und andere Mißgeschicke der Stadtväter. Rasender Applaus zeigte, daß die Intention der Lieder „Volkes Zorn“ entsprach. Hubert Meyer wurde zur Gesellschaftskanone 1980 ausgerufen, der Probevogelkönig des Vorjahres (Jochen Schulte) sowie der aktuelle Versuchsregent („Nase“ Battenfeld) wurden geehrt. Das weiße Häuschen hinter der Schützenhalle (Stuhlreservoir) heißt nun „Kurt Peter-Gebeinhaus“. Eine überdimensionale Kurkarte verehrte der Biergerichtspräsident Rudolf Heitmann, der nach Ansicht der PSG zu oft in Urlaub fährt und alle „Kurschatten namentlich kennt“. Auf Disco-Rollern, jenen trendgemäßen Rollschuhen, flitzten Albert Brücher und Wolfgang Schulte durch die Halle. Auch wenn es ein wenig am Standfestigkeit mangelte, Riesenapplaus war den beiden gewiss. Selten so gelacht in der Schützenhalle war die einhellige Meinung der Biergerichtsbesucher. Stehende Ovationen und nicht enden wollende Bravo-Rufeentschädigten die Akteure für ihre Vorbereitungen und Mühen.

Quelle: WR Plettenberg vom 17./18. Juni 1980 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2001 – Helmut Eichhart Wiedensack entwirft Stadthallenmodell Plettenberg

(nin) Neue Stadthalle? Kein Problem – jedenfalls nicht für den etwas anderen Ideenreichtum des Architekten Helmut Eichhart Wiedensack. Das Biergericht der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) nahm gestern Morgen nicht nur die Untaten der Mitglieder auf die Schippe und vergab mehr oder minder gesalzene Verurteilungen, sondern nahm ebenso kritischen wie humorigen Anteil an aktuellen Geschehnissen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene in der Vier-Täler-Stadt. Gerade für die Schützen sind die Planungen für die neue Stadthalle ein brisantes Thema. Biergerichts-Schöffe Bernd Maus erklärte anhand des überdimensionalen, steinernen Penis-Modells „Kondomium auf Mutterboden“, wie sich Architekt Helmut Eichhart Wiedensack die „majestätisch hervorragenden Strukturen“ des Bauwerkes vorstellt. Fragen über Fragen – beim „Kaffeeklatsch“ sorgten sich vier KEK-Mitglieder (Kreis ehemaliger Königinnen) über Themen wie die Nachfolge des PSG-Vorsitzenden. Außerdem machten sie sich Gedanken, wie ein Kinderwagen am besten in einen Porsche zu bekommen ist. Beim „Streit um drei“ wurde der Prozess „Plettenberg vs. Söllner“ diskutiert. Lautstarke Flatulenzen, Schüsse, Explosionen und Pyroeffekte machten eine ordnungsgemäße Verhandlung beinahe unmöglich. Ebenso unmöglich wie die Bebauung des von der Stadt erworbenen Grundstückes der Firma Söllner, das durch diverse Altlasten im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuss nach hinten war. Eine „musikalische Weltreise“ unternahm die BG-Combo und erinnerte damit an den Beinahe-Reinfall beim Winterfest, als kurzfristig eine holländische Truppe einsprang, die aber noch nicht einmal den Feten-Klassiker „Hey Baby“ kannte. Viel Gelächter und einige peinlich berührte Gemüter waren bei dem Song „10 kleine Hofstaat-Damen“ zu hören und zu sehen, der sich mit dem erstaunlichen Schwund und den Wechselspielchen der weiblichen Thronmitglieder beschäftigte. Auch traditionelle Programmpunkte wie die „BG-Njus“ und die Prämierung des „Schläfers des Jahres“ sorgten für eine heitere Stimmung unter den Schützenbrüdern. Allseits gelobt von den Gästen wurden gestern die Leistungen der Biergerichts-Schöffen, die es verstanden, die Fehltritte ihrer Vereinskameraden mit einer großen Portion Humor zu Showeinlagen zu verarbeiten und an der ein oder anderen Stelle treffende Kritik zu üben. Für die Mühen hätten sich die Schöffen um ihren Präses Bernhard Schlütter aber ruhig etwas mehr Resonanz wünschen dürfen.

Quelle: WR Plettenberg vom 11.06.2001 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2002 – „Echte Schützen stehn zusammen“: – Große Party des Biergerichts Plettenberg

(mau) „Echte Schützen stehn zusammen. . .“ Nach diesem textlich leicht abgewandelten Hit der „Höhner“ skandierten die Schützen der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) gestern im Einklang mit dem Biergericht eine neue Vier-Täler-Städter-Schützenhymne. Es war der Schlussakkord unter einem knapp dreistündigen Biergerichts-Frühschoppen, bei dem es sich im „Glutofen Schützenhalle“ trefflich feiern ließ. Ob die Schöffen um ihren Präses Bernhard Schlütter nach all den Mühen ihrer Vorbereitung allerdings eine derart nachlassende Publikumsresonanz verdient haben, sollte der PSG-Vorstand nicht versäumen zu erörtern. Ist der „blaue Montag“ für ein Schützenfest noch zeitgemäß? Diesmal blieben sogar die Tische in beiden Seitenschiffen der Halle leer; den Delegationen der Gastvereine sei Dank, dass wenigstens die Hallenmitte voll besetzt war. Die Akteure auf der Bühne ließen sich ihre leichte Enttäuschung über eine bestenfalls zu einem Drittel gefüllte Halle nicht anmerken und gaben ihr Bestes. Tatsächlich ließen sie Nichts und Niemanden aus, der im vergangenen Schützenjahr mit beiden Beinen ins Fettnäpfchen gesprungen war. Eine durchaus bewegende Nummer gelang ihnen mit der Verabschiedung von Dieter Schauerte, der mit seiner ihm eigenen Lockerheit und Offenheit über ein Jahrzehnt als Vorsitzender die Geschicke der PSG gelenkt hat und im März im Amt von seinem Nachfolger Dirk Thomee abgelöst wurde. Stehende Ovationen für Schauerte und „die Frau an seiner Seite – seine Mutter Ingrid, die fleißigste Reinigungskraft im familieneigenen Autohaus“. In zahlreichen satirischen Texten und Liedern setzte es Seitenhiebe auf PSG-Internas oder kommunalpolitische Entscheidungen, zum Beispiel wenn wegen des künftigen Eintrittspreises für ein unvergleichliches Badeerlebnis im Aqua-Magis die Kaufkraft der Plettenberger auf der Strecke bleibt. Echte Hiebe setzte es dagegen im Boxring, in dem der Champion Lars „Dagobert Duck“ Niggemann knapp nach drei Runden gegen seinen Herausforderer Fredi „den Vollstrecker“ Cordes die Oberhand behielt. Eine tolle Schau mit allem Drum und Dran, vom Ringsprecher Jens Stederoth bis hin zum Nummerngirl Sven Munder. Tiefste Befriedigung verspürten die Bierrichter offenbar bei der „liebevollen Verabschiedung“ ihres bereits im Vorjahr nach 16 Jahren Biergericht ausgeschiedenen „Noch-Freundes“ Bernd Maus. Der „alte Kamerad“ wurde von Malermeister Rolf Käseberg nach allen Regeln der Kunst geteert und gefedert. Völlig ungestraft verlässt eben niemand so ein fach das Biergericht. . . Einmal mehr gab es Biergerichts-Nachhilfe für das PSG-Offizierskorps um Oberst Rolf Wilmink. „Üüüü“-berragend, welch schnelle Auffassungsgabe die Herren Offiziere unter gestochen scharfen Kommandos als „Drü Chünüsün müt düm Küntrübüss“ an den Tag legten. Standfestigkeit bewies ebenso der 2001er-Thron um Altmajestät Martin Schlütter, der Limbo tanzen und Schnäpsken trinken offenbar vorbildlich kombinieren kann. Üchtü Schützün stühn hült züsümmün. . .

Quelle: WR Plettenberg vom 17.06.2002 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2003 – Superstar Sven, ein „Spritfresser“-Duo und „Grottenpoppen“ Plettenberg

(mau) „Es ist wie ein Traum“ – das Biergericht der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) bediente sich zum großen Finale mit frisiertem Text des Titelsongs der „Superstar“-Wahl. Völlig zu Recht, denn gestern Morgen beim Biergerichts-Frühschoppen in der Schützenhalle durften sich die Schöffen um Präses Bernhard Schlütter für eine tolle dreistündige Schau getrost als PSG-Sterne feiern lassen. Im außergewöhnlich gut gefüllten Saal hatten sie ein Feuerwerk der guten Laune abgebrannt, das voll und ganz den Geschmack der Schützen traf. Apropos „voll“: Zum „Running Gag“ avancierte dabei die wahrlich „vernichtende“ Verurteilung zweier Thronmitglieder von Vorjahreskönig Andreas Kurras, Martin Fellmer und Georg Dickopf. Im Renn-Kart düste Jens Stederoth zur Bühne, um mit den in hautenge Rennoveralls gezwängten Fellmer und Dickopf einen Spritverbrauchskurs zu starten. Dass die beiden Delinquenten dabei derart mitzogen und dem Publikum bei ihrer „Rallye rund ümme Plettmert“ auf beeindruckendste Weise zeigten, wie durstig ein seit Tagen auf Hochtouren laufender Leber-Motor sein kann (Hut ab!), hatten wohl selbst die Bierrichter nicht erwartet. Merke: Wer in solch rauen Mengen Puffbrause aus dem Bahnhofsviertel Eiringhausen, PSG-Ochsenaugen und lauwarmen Wacholder aus Landemert in den Tank gießt, kann die sich erst gegen halb zwei senkende Biergerichts-Zielflagge, von Augenkrämpfen geplagt, nur noch mit allergrößter Mühe erkennen. . . Biergericht vom Feinsten servierten die PSG-Schöffen bei ihrer Zeitreise durch „100 und x Jahre“ PSG-Biergericht. Ob Marlene Dietrich (Stefan Schauerte in aufreizenden Netzstrümpfen), Comedian Harmonists oder perfekt persiflierte Village People – da kam die Halle in Wallung. Und auf Stühlen und Tischen blieb sie, als „Superstar“ Sven „Boom“ Geistert gekürt wurde. Trotz der zum Teil vernichtenden Urteile der Jury mit „Shauna“ Schlütter oder Jens „Bohlen“ Stederoth setzte sich der gute Sven mit seinem Live-Gesang gegen so „großartige“ Hobbykünstler wie Pianist Friedrich-Wilhelm Schulte, Trompeter Dieter Schauerte, die Sänger PeW Baetzel oder Klaus Schütrumpf, Country-Star Tony Meyer sowie Rock-Legende Mike Menschel durch. Cocktailfrüchte, O-Saft, Schampus und Curacao Blue gemixt – dieses edle Gesöff krendenzte der Thron um den 2002er-König Andreas „Fliesen“ Kurras den Gästen auf Weisung des strengen Gerichts. Für Kurras-Nachfolger Eberhard Koch wars (noch als Beobachter) ein Vorgeschmack auf das, was ihm und seinen Adjutanten im nächsten Jahr blüht. Auch Bürgermeister Walter Stahlschmidt bekam gestern Morgen sein Fett weg. Erstaunlich, was er in der kurzfristig zur „Lust-Grotte“ umfunktionierten Geistert-Bahn des AquaMagis erlebte. Während Norbert Geistert selbst, FDP-Stadtrat Joa Schade als einer der größten Erlebnisbad-Verfechter und stellvertretender Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt pures Rutschvergnügen genossen, blieb der erste Bürger der Stadt seltsamerweise ein paar Minuten länger zum „Grottenpoppen“ in der Röhre. Wahrlich ein Erlebnisbad. . . Ob die „dümmsten Säufer der PSG“, der skurrile Angelverein „No Angels“, Internet-Kritiker Philipp Ochtendung, Eisenbahnexperte Dirk Thomee, „Oberholzklau“ Kalli Pfeiffer, Buttonpresser Bernd Mäckeler, Rolf Wilmink von der Irak-Heimatfront, „Hetero“ Lars Niggemann mit seinem rosa Teddy Fusel, oder Intrigant Gerd Marl, der seinem Vorgänger als Sportschützenchef, Klaus-Dieter Engel, fies ein Beinchen stellte – nichts und niemand blieb vom Outing verschont. Und natürlich waren Frauen auf der Bühne: das mit viel Beifall bedachte Kellnerinnen-Team beim Kellnersong, den Jörg „Elmar“ Wilmink ebenso trefflich interpretierte wie seinen „Bademeister“.

Quelle: WR Plettenberg vom 16.06.2003 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2004 – Biergerichtsschöffen brennen Feuerwerk der guten Laune ab

(mg) Superstimmung in der Schützenhalle! Das Biergericht der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) um Präses Bernhard Schlütter brannte ein Feuerwerk der guten Laune ab. Das Gericht verurteilte sündige Schützen für ihre Missetaten gestern Morgen gleich dutzendweise und reanimierte den einen oder anderen verglühten Star aus der deutschen Show- und Werbebranche. Und es hatte die Bürgermeister-Kandidaten zur „Elefantenrunde“ geladen. Hier durfte Wolfgang Ising von einer Fusion aller Schützenvereine träumen, Klaus Salscheider das Freibadgelände zur Schießanlage umfunktionieren und Klaus Müller die Oesterhalle zum Schützen-Store umgestalten. Gleich zu Beginn stellte sich das Biergericht in den Dienst der guten Sache. Landrat Aloys Steppuhn und Klaus Salscheider bekamen Dosen in die Hand gedrückt, um Spenden für die „Tour der Hoffnung “ zu sammeln. Getrommelt wurde aber auch mit dem Einmarsch der „Radiatoren“ (Michael Schröder, Josef Spahn, Jörg Wilmink und Hartmut Tengler) für das eigentliche Großereignis im September, für den P-Weg-Marathon. Getestet wurde die Fitness des P-Weg-Teams beim Rad fahren, Treppen steigen und auf der Stelle treten. Einen Sieger gabs nicht, denn alle vier waren gedopt, mit einer präparierten Banane, gespritzt mit Wacholder. Für Präses Schlütter ein „besonders schwerer Fall“ ist Sebastian Krah. Schlimm genug, dass der Junge ein BVB-Fan ist. Das Fass zum Überlaufen brachte jedoch die Summe seiner Verfehlungen. In Lüdenscheider Kneipen und auf der Straße hatte er im volltrunkenen Zustand versucht, Randale zu machen. Schließlich wurde er von der Polizei aufgegriffen und an der Stadtgrenze Lüdenscheids, an der Versetalsperre, wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Neuauflage jetzt: Von der Polizei (Fred Waschek) wurde er in der Halle abgeholt und mit Handschellen und einem Überlebensrucksack ausgerüstet an der Stadtgrenze Plettenbergs ausgesetzt, „nämlich an der Lenne“ – Buh-Rufe, Pfiffe und Applaus folgten. Als „Party-Löwen“ abgestraft wurden Heiko Söllner und Stefan Teichmann. Übers Internet hatten sie sich als Bedienung für eine Sause in Ischgl angeboten. Das Höchstgebot: 2,47 Euro – „und die kamen auch noch von der eigenen Frau“, wusste Schlütter, der die beiden „Prachtexemplare“ noch einmal meistbietend versteigerte. Den Hammer als Auktionator schwang Jörg Wilmink, der das Beste herausholte: Für 50 Euro ging Stefan Teichmann an die 2003er-PSG-Majestät Eberhard Koch. Den Zuschlag für Söllner erhielt Gerd Stederoth für 100 Euro. Sich noch einmal als „Bruchpiloten“ auf der Bühne durften sich Jens König und Hendrik Schauerte auf zwei Bobby-Cars versuchen. Klar, dass sie als Unfallopfer aus dem Rennen gingen, mit verbundenem Kopf und zerrissenen Klamotten. Denn die Moral von der Geschicht: „Fahr auf Schützenfesten nicht!“ Auch Thomas Großheim, Lars Niggemann und Dr. Peter Vieregge, die Vertreter der Besitzerhaltungskommission der PSG, wurden auf die Bühne zitiert. Diesmal als „Besitzzerstörungskommission“, weil Niggemann in einer Plettenberger Kneipe einem Kameraden den Stuhl unterm Hintern weggetreten hatte. Ins „Dschungel-Camp“ geschickt wurden die Neu-Offiziere Patrick Hansmann, Hendrik Schauerte, Heiko Söllner, Dirk Teubner, Martin Fellmer und Georg Dickkopf. Und in den Pausen sagte Verona ihren Spruch auf: „In 58840 wird Sie geholfen.“ Ein Höhepunkt war sicherlich die Playback-Show, unter anderem mit Nena und Altrocker Udo Lindenberg, die die Halle im Sturm eroberten.

Quelle: WR Plettenberg vom 22.06.2004 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2005 – Wenn das Biergericht Sünder aufruft: „Youll never drink alone . . .“

(nin) „Youll never drink alone . . .“ – beim Biergericht der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) musste niemand alleine trinken. Dafür sorgten schon die Schöffen unter dem Vorsitz von Bernhard Schlütter. Die Biergerichtler hatten im vergangenen Jahr wieder Augen und Ohren offen gehalten, um die Fehltritte ihrer Schützenbrüder zu registrieren. Dabei heraus kam ein kurzweiliges Programm mit vielen Verurteilungen und Showeinlagen. Gerd Marl, zum Schläfer des Jahres erkoren, wird bestimmt so schnell nirgends mehr einnicken – eine kalte Dusche kurierte ihn von jeder Müdigkeit. Die Diskussionen zwischen Jägerschaft und P-Weg-Organisatoren ist ja bekanntlich zu den Akten gelegt. Einträchtig erstrampelten Jens Stederoth und Stefan Zimmermann, Mitorganisatoren des P-Weges, mit Unterstützung von Hegeringleiter Robert „Roträdchen“ Lützenkirchen Geld für einen guten Zweck. Tobias Magenheimer, Mitglied der 3. Kompanie, kam in den Genuss, in einer Mülltonne durch die Schützenhalle gefahren zu werden – er hatte auf dem Nachhauseweg von einer Party „unangenehme Bekanntschaft“ mit einem Abfallcontainer gemacht. Wodka mit Wackelpudding, Ramazotti mit Brause und Ochsenauge mit Marillenbrand – wohl ekelerregende Zusammenstellungen. Nicht aber für Ingo Geck, Bernd Auwermann und Hans Jürgen Krach. Die drei kosteten tapfer ihre „Lieblingsgetränke aus der Hexenküche“. Viel Beifall erhielt die Tanzgruppe „Sternschnuppen“ aus Königswinter für ihren Gastauftritt. Die Gardetänzer begeisterten mit athletischen Einlagen und kam nicht um einen zweiten Auftritt und mehrere Zugaben herum. Eine Gesangs- und Schlagzeugeinlage à? la Sammy Davis Jr. und Frank Sinatra gaben Pew Baetzel, Gerd Stederoth, Martin Schlütter und Klaus Schütrumpf. Der Bierhypnose von Schöffe Peter Schlütter konnte sich kaum einer der Anwesenden entziehen. Vor allem die Mitglieder der 3. Kompanie zog es wie von Geisterhand zu dem auf der Bühne bereit gestellten Bier. Lars Niggemann und Thomas Großheim, gemeinsam mit Peter Vieregge Gründungsmitglieder von „Matta Heine sein Klupp“, erhielten die Gelegenheit, für ihren künftigen Herren-Raucher-Salon Werbung zu machen. „Leider sind keine Frauen zugelassen – wie beim PSG-Biergericht“, flachste Niggemann. Dass das Biergericht noch lange nicht zum „Cola-Gericht“ – wie Niggemann es hatte verlauten lassen – verkommen ist, demonstrierte Schöffe Jörg Wilmink eindrucksvoll. Zum Abschluss des dreistündigen Programms sang die Biergerichts-Combo mit allen Besuchern ihre umgedichtete Version von „Youll never walk alone“.

Quelle: WR Plettenberg vom 14.06.2005 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)

2006 – Biergerichts-Präses ging von Bord: Danke für alles, Bernhard Schlütter!

(mau) „Danke, Bernhard!“ Nach 15 Jahren an der Spitze des PSG-Biergerichts legte Bernhard Schlütter gestern das Präsidentenamt nieder. „Danke, Bernhard!“, skandierte die Menge und stand auf den T-Shirts der Schöffen. Unter stehenden Ovationen kämpfte der 42-Jährige gegen Tränen der Rührung an, seine Frau Ai-Lan im Arm und ins Mikro ein letztes „I did it my way“ singend. „Aufhören ist doch schlimmer, als ich dachte“, gestand er engen Freunden am Ende ein. Selbst von denen waren nur wenige über seinen Rücktritt informiert. Im Bilde waren indes seine Schöffen, die ihren „Präsi“, der aus erster Reihe ins zweite (Schöffen-)Glied zurücktreten möchte, mit einer würdigen Verabschiedung überraschten. Musikalisch erinnerten sie an Schlütters Biergerichts-Eskapaden. Beispielsweise die Schrobenhausen- und Andechs-Tour 1995, die Bernhard einen Tag früher als geplant beenden und mit dem Zug nach Hause düsen musste. Zur Geburt seiner Tochter Tanitha war er gerade noch rechtzeitig im Kreißsaal. . . Vor dem Abschied hatte Schlütter selbst für einen Höhepunkt im dreistündigen, aber nie langweiligen Biergerichtsprogramm 2006 gesorgt. Im Dialog mit Sebastian „Sebo“ Kintner feuerte er eine volle kabarettistische Breitseite gegen das Bahnhofsviertel Eiringhausen und die Schützen dort ab. Bei einer Sekundensequenz im Lokal-TV hatten diese mächtig vom Leder gezogen. Sie wären die Erfinder des Biergerichts, bei ihnen wäre mehr los als in der Stadtmitte etc. Gestern bekamen die „Aborigines Äggerins“ die Quittung. „Sie feiern unter Brücken und pinkeln auf dem Bahnhofsklo“, lauteten noch die harmloseren Giftpfeile. Der Eiringhauser Schützendelegation mit König Kai-Uwe Eppmann und Biergerichtspräsidentin Doris Schauer an der Spitze verschlug es nahezu die Sprache. Das schreit nach „Vergeltung“ am 21. August, dem Tag des Eiringhauser Biergerichts. Neben der neuen Altmajetät Christoph Hümmler und dem neuen PSG-König Wolfram Lux regierte gestern beim Frühschoppen vor allem König Fußball. Das Biergericht sah es an der Zeit, dass sich was dreht, wie Grönemeyer singt. Motto: Ein guter Deutscher denkt europäisch – außer wenn er Kicken guckt! Da wird bestenfalls noch der Schweizer gefeiert, weil er dem Türken das WM-Ticket vor der Nase weggeschnappt hat. . . Gegenüber dem Biergerichtsfrühschoppen im Vorjahr hatte sich die Frauenquote in der gut besetzten Schützenhalle gestern weit mehr als verdoppelt. Eine willkommene, unspektakuläre „Unterwanderung“, ohne dass dafür ein Beschluss auf der Hauptversammlung gefasst worden wäre. Ein später Erfolg für Bernhard Schlütter, der immer mutig und freigeistig ein für Frauen offenenes Biergericht gefordert hat.

Quelle: WR Plettenberg vom 13.06.2006 im Archiv Horst Hassel (www.plbg.de)